Bibel entdecken

Wenn ihr das Haus betretet, grüßt die Bewohner und wünscht ihnen Frieden . Sind sie es wert, so soll der Frieden, den ihr bringt, bei ihnen einziehen. Sind sie es jedoch nicht wert, so soll euer Frieden zu euch zurückkehren.
Matthäus 10,12-13

imageJesus hat uns die Aufgabe gegeben, den Menschen „Frieden“ zu bringen. Wir bringen Frieden, in dem wir das Evangelium bringen, weil nur das Evangelium selbst Frieden bringen kann.

Wir bringen den Menschen das Evangelium ganz bewusst nicht durch Traktate, frontale Evangelisation oder Bekehrungsaufrufe, weil diese Methoden Menschen nicht unbedingt zu Jüngern, sondern oft zu Bekehrten macht.

Wir bringen das Evangelium durch das Entdeckerbibelstudium, durch das die Menschen Gott selbst kennenlernen sollen. Sie entdecken dabei das Evangelium im Wort Gottes selbst. Dadurch wollen wir die Menschen nicht an uns binden, sondern an Gott und sein Wort. Wir wollen dem Heiligen Geist Raum geben, an den Einzelnen zu arbeiten, sodass sie ihm aus Liebe gehorsam sind und nicht etwas tun, weil Menschen es ihnen sagen.

Gott lieben und ihm nachfolgen kann man nur, wenn man ihn versteht. Verstehen kann man ihn nur, wenn man sein Wort liest, es sich im Innersten einprägt und es im Alltag lebt.

Im AT schreibt Gott, wie sein Volk mit seinem Wort umgehen soll:

Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst; und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen dir zum Erinnerungszeichen über den Augen sein; und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben.
5. Mose 6,4-9

Egal was wir anderen beibringen, es muss multiplizierbar und im Wort Gottes begründet sein. Nicht wir lehren die Menschen, sondern der Heilige Geist durch die Bibel. Wir dürfen uns nicht als Zwischeninstanz zwischen Menschen und Gott stellen, sondern müssen ihnen ermöglichen, in Gottes Wort durch den Heiligen Geist das Evangelium zu verstehen und Gott kennenzulernen.

Das Entdeckerbibelstudium ist nicht nur einfach eine Methode, die Bibel zu studieren, sondern beschreibt einen Prozess, der Einzelne und Gruppen dazu befähigt, zu erfassen, was der biblische Text sagt, dies zu verstehen und schließlich konkret im eigenen Leben umzusetzen. Darüber hinaus liegt ein Schwerpunkt darauf, das Erkannte auch an andere weiterzugeben.

Bibel entdecken kann in einer Gruppe oder auch im persönlichen Rahmen geschehen.

Persönliches Bibel-Entdecken

Den Kern des persönlichen Bibel-Entdeckens bildet das sogenannte „3-Spalten-Bibelstudium“.

Einfach ein Blatt im Querformat in drei Spalten einteilen und oben in jede Spalte folgende Begriffe eintragen:

Gottes Wort Eigene Worte Ich werde ...
 
 
 
 
 
 

In die erste Spalte („Gottes Wort“) schreiben wir den Textabschnitt aus unserer Bibel ab. Das Wichtigste beim Abschreiben ist die Tatsache, dass wir den Text dabei mehrere Male (5-7x) durchlesen. Das ist eine Art „erzwungener Meditation“, die besonders denen hilft, die sich nicht lange hinsetzen und über einen Text nachdenken können, ohne die Konzentration zu verlieren. Diese Vorgehensweise bewahrt uns auch davor, vertraute Abschnitte zu überlesen. Wenn wir etwas abschreiben, müssen wir über jedes Wort nachdenken. So wird ganz nebenbei vermittelt, dass die Quelle aller Lehre die Heilige Schrift selber ist.

In der zweiten Spalte („Eigene Worte“) geben wir die Worte der Bibel in unseren eigenen Worten wieder. Viele Leute finden dies schwierig, doch wir können es beispielsweise so formulieren, wie wir es einem Bekannten bei einer Tasse Kaffee erzählen würden: Was ist die einfache, geradlinige Bedeutung des Abschnittes und wie kann ich ihn so einfach wie möglich wiedergeben?

Bevor wir einen Abschnitt nicht auf einfache und klare Art und Weise anderen erklären können, verstehen wir ihn selbst nicht wirklich. Wenn wir einen Bibelabschnitt mit eigenen Worten wiedergeben, bereiten wir uns ganz einfach darauf vor, Gottes Wort an andere Menschen weiterzugeben. So wird auch vermittelt, dass die Heilige Schrift von jedem verstanden werden kann.

In der dritten Spalte („Ich werde ...“) geht es darum, was wir konkret unternehmen wollen, um der biblischen Aussage zu gehorchen. Nun ist nicht die ganze Heilige Schrift in Befehlsform geschrieben, doch dies ändert nichts daran, dass wir sie kennen und von ihr lernen sollen.

Dahinter steht die Grundüberzeugung, dass man Gottes Wort gehorchen muss und dass es nicht reicht, nur zu wissen und zu verstehen, was dasteht. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist, dass man einander in verbindlichen Gruppen oder unter Partnern Rechenschaft gibt.

Bibel-Entdecken in der Gruppe

Mit den einzelnen Elementen eines Entdecker-Bibelstudiums in der Gruppe wollen wir eine bestimmte DNA ("Erbgut") festlegen, die sich jede Gruppe aneignen soll. Jeder Schritt hat einen bestimmten Sinn. Im Anhang findest du eine Kopiervorlage für den Ablauf eines Entdeckerbibelstudiums, die wir in unseren Gruppen verwenden.

Gebet

  • Wofür bist du dankbar? (+)
  • Womit bist du unzufrieden? (-)

Rechenschaft

  • Was hast du in der letzten Woche mit Gott erlebt?
  • Was konntest du vom letzten Mal umsetzen? Was ist dir schwergefallen?

Diese einfachen Fragen können ohne weiteres auch von Nichtchristen beantwortet werden; wenn sie dann zum Glauben kommen, sind sie an den persönlichen Austausch gewöhnt und Gebet wird ganz selbstverständlich. Sie lernen sich über geistliche Dinge zu unterhalten und „Zeugnis“ zu geben. Das Feedback der letzten Woche führt zur Festigung des Gelernten und zu gegenseitiger Rechenschaft und Unterstützung. Jeder Einzelne soll davon geprägt sein, sich verändern zu lassen, bzw. sich selbst zu verändern und andere an dieser Veränderung teilhaben zu lassen.

Wort Gottes

  • den Text einmal in der Gruppe lesen
  • den Text einmal jeder für sich lesen
  • Alternativ: den Text abschreiben

Einer kann den entsprechenden Bibelabschnitt für das Treffen laut vorlesen, während die anderen in ihrer eigenen Bibel mitlesen. Wenn der Erste fertig ist, kann ein Zweiter den Text noch einmal laut vorlesen. Diesmal sollen alle auf das Vorgelesene hören. Die Teilnehmer lernen den Bibeltext kennen. Durch das mehrfache Lesen prägt sich der Text ein. Noch besser ist es, wenn alle den Text abschreiben, da man den Abschnitt dabei mehr als 7x liest. Der Nachteil: Bei langen Texten dauert das zu lange.

Sprachfähigkeit & Gruppenkorrektur

  • den Bibeltext mit eigenen Worten zusammenfassen und sich gegenseitig ergänzen

Bitte darum, dass jemand den Abschnitt in eigenen Worten wiederholt – so, als ob er ihn einem Freund erzählen würde, der nicht da war. Erst durch das Nacherzählen merkt man, ob der Text wirklich richtig verstanden wurde. Man wird sprachfähig, Gottes Wort weiterzugeben, und wird korrigiert. In den meisten Fällen denken wir nur, wir hätten richtig verstanden. Dieser Teil ist der schwierigste für Christen, weil sie immer wieder ihr Gottesbild und ihre Theologie in die Texte hineintragen.

Frage die Gruppe: „Seid ihr mit der Wiederholung einverstanden? Gibt es etwas, das er hinzugefügt oder ausgelassen hat?“ Wenn die Gruppe nichts vermisst, fahre fort. Wenn etwas fehlt, wird der Abschnitt noch einmal gelesen.

Wenn jemand etwas sagt, das nicht im Text steht, frage: „Wo findest du das in diesem Abschnitt?“. Lies, wenn notwendig, noch einmal. Mit der Zeit wird die Gruppe lernen, diese Frage selber zu stellen. Das führt eine Selbstkorrektur und Verantwortlichkeit der Gruppe ein.

Lesen, Hören und Nacherzählen des Bibelabschnitts sind wichtiger, als du vielleicht denkst. Menschen mit unterschiedlichen Lernstilen werden so von der Bibel angesprochen. Jeder hat Zeit, um über den Abschnitt nachzudenken und Gott zu bitten, durch sein Wort zu reden. Das Nacherzählen des Abschnitts hilft beim Durchdenken, um den Inhalt anderen außerhalb der Gruppe gut weitergeben zu können. Dadurch, dass jeder die Nacherzählung ergänzen kann, werden die Einzelnen ermutigt, über die Hauptgedanken des Textes nachzudenken.

Auch wenn die mehrmalige Wiederholung des Abschnitts zeitaufwendig aussehen mag, hilft diese Vorgehensweise, Jünger heranzubilden, die selber andere zu Jüngern machen.

Wort Gottes verstehen

  • Was spricht dich an? Was stört dich?
  • Was lernst du über Gott?
  • Was lernst du über uns Menschen?

Als Gruppe ergänzt man sich, sodass man die Aussagen des Textes gut umreißen kann. Auch bei Texten, die keine klaren Anweisungen für unser Leben haben, kann man etwas über Gott und seine Beziehung zu den Menschen lernen. Alle Teilnehmer sollen die Möglichkeit bekommen, persönlich auf die Fragen zu antworten.

Gehorsam

  • Welche Anforderung stellt der Text an dich persönlich?
  • Wenn diese Geschichte wahr ist, was sollte sich in deinem Leben ändern?

In diesem Abschnitt geht es darum, das Wissen in die Praxis umzusetzen. Dazu muss jeder für sich selbst überlegen, wie er das Gelernte ganz praktisch in der nächsten Woche umsetzen will. Darüber tauscht man sich aus. Im Feedback der nächsten Woche wird daran angeknüpft.

mitteilen & helfen

  • Gibt es jemanden, der das wissen müsste?
  • Welchen Menschen wünschst du von Herzen, dass sie auch anfangen über Gott nachzudenken?
  • Wem kannst du ganz praktisch helfen und für wen kannst du beten?

Wenn wir etwas lernen, dürfen wir das nicht nur für uns behalten. Damit das Gelernte Auswirkungen hat, müssen wir anderen davon erzählen. Dadurch behalten wir es besser und lernen, über geistliche Dinge zu reden mit dem Ziel, dass jeder Einzelne die Ausrüstung erhält, selbst wieder neue Gruppen ins Leben zu rufen.

In jedem Element werden entscheidende Dinge vermittelt und geprägt, die im Alltag umgesetzt und multipliziert werden können. Die inhaltliche Steuerung geschieht beim EBS über die Bibeltexte. Es gibt grundlegende Textreihen, in denen die Teilnehmer Gott und das Evangelium kennenlernen. Dann gibt es Textreihen, die die Teilnehmer in der Jüngerschaft und Leiterschaft schulen.

Selbstverständlich kann das EBS auch bei fortlaufenden Bibeltexten (z.B. dem gemeinsamen Lesen eines Evangeliums) angewandt werden.

Siehe auch EBS-Bibelstellen (Grundlagen, Jüngerschaft & Leiterschaft)